
Hartwig und Schwibbe zieht um
5. Juni 2025Hartwig & Schwibbe GmbH im Revier Manager
Hartwig & Schwibbe GmbH: Dortmunder Wandel
Dortmunds Keller erzählen Geschichten von Kohle und Ruß, doch heute schlägt in ihnen ein hochmodernes, digitales Herz. Tim Wagemann führt das Traditionsunternehmen Hartwig & Schwibbe mit einer Mischung aus Revierstolz und High-Tech-Vision sicher durch den energetischen Umbruch.
Wenn man sich die Geschichte von Hartwig & Schwibbe anschaut, liegen die Wurzeln tief im Dortmunder Boden der 1950er Jahre vergraben. Damals war die Welt hier noch vom Staub der Kohle und des Öls geprägt. Konsul Hartwig als Mann mit Weitblick legte den Grundstein mit einer simplen Logik: Wer Brennstoffe liefert, kann die Anlagen auch gleich warten. Wer hätte damals gedacht, dass man Jahrzehnte später nicht mehr Schaufeln schwingt, sondern hochkomplexes Klimamanagement durch einen digitalen Dschungel steuert?
Für Tim Wagemann, der das Unternehmen seit 2011 führt, fühlt sich dieser Wandel oft wie eine Zeitreise an. Er weiß, dass Tradition das Fundament der Moderne ist. „Da steckt heute noch eigentlich ganz viel drin, weil die Technik sich geändert hat“, erklärt Wagemann. „Unsere Vorväter hatten das damals noch nicht auf dem Schirm – die dachten noch nicht an Wärmepumpen oder Photovoltaik.“ Es ist eine Transformation, beispielhaft für den Strukturwandel des Reviers: weg vom Fossilen, hin zum smarten Gebäude.
Dabei blieb der Name Hartwig & Schwibbe in der Westfalenmetropole, was er immer war: ein Versprechen. Trotz Inhaberwechseln tastete niemand den Schriftzug an der Fassade an. Warum auch etwas ändern, das seit Generationen funktioniert? Prokuristin Miriam Wagemann bringt es auf den Punkt: „Jeder in Dortmund kennt uns. Wenn man die Firma umbenennt, weiß keiner mehr, wer es ist. Die Kunden sollen nicht denken: Oh Gott, das ist jemand Neues, da wollen wir nicht mehr hin.“ Diese Kontinuität schafft Vertrauen in einer Branche, die sich heute so schnell dreht wie ein digitaler Zähler.
Tim Wagemann hat das Unternehmen massiv umgekrempelt. Der Umzug vom alten Standort, wo im Hinterhof noch echte Kohlebunker als Relikte standen, nach Wambel war ein Befreiungsschlag. Mit der Integration der Elektrosparte setzte er ein weiteres Ausrufezeichen. Bits und Bytes sind heute so wichtig wie Rohre und Ventile. Die Übernahme von Elektro-Wagner war Strategie. „Es macht Sinn“, sagt der 49-Jährige, „Elektro und Sanitär lagen schon früher nah beieinander. Heute brauchen wir für Wärmepumpen und Hausanschlüsse zwingend den Elektromeister im Team. Wir dürfen das sonst rechtlich gar nicht.“

Miriam und Tim Wagemann


Individuelle Bratung
Doch bei aller Technikbegeisterung bleibt der Geschäftsführer der Realist des Reviers. Er schwätzt niemandem eine Wärmepumpe auf, wenn sie im alten Kasten keinen Sinn ergibt. „Man muss sich jeden Bau individuell angucken“, betont er. „Ich würde meinem Kunden nie etwas verkaufen, was ich nicht selber machen würde. Es muss einen Kosten-Nutzen-Faktor haben.“ Miriam Wagemann nickt: „Er würde seinen Kunden nie eine Wärmepumpe verkaufen, wenn es am Ende nicht das ist, was ihn glücklich macht.“ Es geht um ehrliche Beratung. Wer will schon 40.000 Euro investieren, wenn sich die Anlage erst rechnet, wenn man die Radieschen von unten betrachtet?
Besonders stolz ist das Team auf die Sanierung im bewohnten Zustand. Viele Konkurrenten meiden solche Projekte, weil sie staubig und nervenaufreibend sind. Bei Hartwig & Schwibbe gehört das zum Alltag, ob für lokale oder auch regionale und überregionale Wohnungsgesellschaften, Verwaltungen oder Genossenschaften. Hier zeigt sich die menschliche Seite. „Die Leute müssen heute mehr an die Hand genommen werden“, weiß Tim Wagemann. Besonders Ältere haben oft Angst vor Kernbohrungen und dem Chaos im Heim. Da wird beim Schrankrücken geholfen oder transparent kommuniziert. Miriam Wagemann sieht das ähnlich: „Die Leute haben oft Angst, dass es zu teuer wird oder sie die Technik nicht verstehen. Da muss man erklären, dass das ständige Auf- und Zudrehen der Heizung viel schlimmer ist.“


Ausbildung bei Hartwig & Schwibbe

Ausbildung bei Hartwig & Schwibbe
Talentschmiede
Diese Empathie spiegelt sich in der Rolle als Talentschmiede wider. Während andere händeringend suchen, setzt man hier auf Ausbildung. „Wir kennen jeden unserer Mitarbeiter persönlich“, sagt Tim Wagemann. Das ist die Währung gegen den Fachkräftemangel. Miriam Wagemann freut sich über das aktuelle Lehrjahr: „Die haben richtig Lust, wir haben sogar ein Mädchen dabei. Man hört von denen nur Gutes.“ Das Familienunternehmen bietet echte Perspektiven, denn ohne Handwerk bleibt jede Cloud dunkel. „Ohne uns gibt es keine Bäder, keine Heizung, keine Elektroinstallationen. Ohne uns können die Leute ihre digitalen Medien gar nicht laden“, stellt Tim Wagemann trocken fest.
Die Verbundenheit zum Standort geht über das Geschäftliche hinaus. Soziales Engagement ist Herzensangelegenheit. Ob warme Mahlzeiten für Kinder in Hörde oder die Hilfe für „Kinderglück“ – man gibt zurück. „Kinder werden mit einer Tüte Chips in die Schule geschickt, weil das alles ist, was sie haben“, erzählt Miriam Wagemann nachdenklich. „Da müssen wir als Dortmunder Unternehmen unterstützen.“ Es ist diese „Echte Liebe“ zum Revier, die auch die Netzwerke zusammenhält. Man arbeitet mit lokalen Firmen, unterstützt Vereine und trifft sich im Stadion. Miriam Wagemann ist überzeugt: „Im Ruhrgebiet läuft das anders als in Berlin. Der Zusammenhalt unter den Betrieben ist hier enger.“
Wenn Tim Wagemann auf die Jahre seit der Übernahme 2011 blickt, kann er trotz grauer Haare lächeln. Er hat die Belegschaft auf über 52 Köpfe vergrößert, Kunden verloren und zurückgewonnen. „Geschäftsführer kann man nicht lernen, man muss da reinwachsen“, sagt er heute. Die nächste Generation steht bereit: sein Sohn möchte in die Fußstapfen der Eltern treten. Miriam Wagemann erinnert sich an harte Zeiten: „Wir haben auch mal Großkunden verloren, aber wir mussten keinen Mitarbeiter rausschmeißen. Wir haben Gas gegeben und neue Bereiche gesucht.“
Diese Resilienz ist typisch für Hartwig & Schwibbe. Man bleibt bodenständig und ehrlich. Egal ob Industrie oder die sprichwörtliche Oma mit ihrem tropfenden Wasserhahn – jeder wird mit dem gleichen Respekt behandelt. Technik mag sich ändern, Kältemittel kommen und gehen, und Wasserstoff bleibt ein Versprechen. Doch der Bedarf an ehrlicher Arbeit und menschlichem Miteinander bleibt im Revier eine Konstante. Tim Wagemann bringt es auf den Punkt: „Man darf die Bodenhaftung nicht verlieren. Der Kunde ruft an, weil er ein Problem hat, und wir sind die Problemlöser.“ Das war vor 70 Jahren so, und das wird auch über 2026 hinaus noch so sein. Das Erbe lebt weiter. Allerdings ohne den Ruß der Kohle, aber mit dem Verstand für die Energie von morgen.
Artikel © REGIO MANAGER GmbH



